(ka) „Es gibt eine alarmierende Zunahme von Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Raum, insbesondere gegen Rettungskräfte. Kürzlich haben wir mit Bestürzung vom Tod eines Zugbegleiters erfahren, der während seines Dienstes körperlich angegriffen wurde“, erklärt Dr. Robert Hinke, Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Bildung bei ver.di Bayern. „Wir bekommen immer wieder Hilferufe von Beschäftigten. Diese reichen von Beleidigungen und Bespucken bis hin zu körperlichen Übergriffen. Dieses Thema muss endlich ernst genommen werden“, fügt Hinke hinzu.
Benno Weidenspointner, Personalrat beim Bayerischen Roten Kreuz und Mitglied der ver.di-Fachkommission Rettungsdienst, kritisiert die unzureichende Struktur der Datenerfassung. „Bei einigen Trägern existieren zwar Erfassungsbögen für gewalttätige Übergriffe, doch das ist nur ein Anfang und reicht nicht aus. Oft werden die Probleme bagatellisiert.“
Die Gewerkschaft fordert: „Alle Verbände sollten verpflichtet werden, einfache und niederschwellige Meldestrukturen zu schaffen und regelmäßig Daten zu Übergriffen an den Freistaat zu übermitteln“, betont Ben Pulz, Fachsekretär für den Rettungsdienst bei ver.di Bayern. „Das Problem verschwindet nicht, indem man einfach wegschaut!“
Aus den Rettungswachen ist bekannt, dass viele Vorfälle nicht gemeldet werden. Die meisten Beschäftigten fühlen sich machtlos und uninteressiert. „Nur wenn Daten erfasst und die Mitarbeiter*innen ermutigt werden, Übergriffe zu melden, können gezielte Maßnahmen ergriffen werden“, ergänzt Weidenspointner.
Zusätzlich fordert ver.di Bayern, dass verpflichtende und regelmäßige Deeskalationskurse für die Beschäftigten angeboten werden. „Das Problem ist real. Erfahrung kann hilfreich sein, reicht aber nicht aus“, erklärt Christine Rother, Betriebsrätin beim Arbeiter- und Samariter-Bund Bayern (ASB) und Sprecherin der bayerischen Fachkommission Rettungsdienst. „Deshalb ist es logisch, die Beschäftigten kontinuierlich zu schulen, um mit bedrohlichen Situationen und Übergriffen umzugehen. Dies sollte bereits in der Ausbildung beginnen und fortlaufend weitergeführt werden.“
Im Jahr 2023 erfasste die Polizei in Bayern mehr als 2.000 Übergriffe. „Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Ben Pulz und fügt hinzu, dass dies nicht die gesamte Realität widerspiegle. „Die Polizei kommt oft erst bei gravierenden Vorfällen zum Einsatz. Wer Menschenleben rettet, sollte den bestmöglichen Schutz genießen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist in diesem Zusammenhang hervorragend“, ergänzt Rother. „Doch dass sie notwendig ist, ist bereits ein Alarmsignal.“
