(ka) Der Prozess im Finanzskandal des Bistums Eichstätt kommt nicht voran. Auch am zweiten Verhandlungstag erschien einer von zwei Angeklagten, ein US-Immobilienentwickler, nicht vor dem Landgericht München II. Der Beschuldigte hatte bereits am ersten Verhandlungstag gefehlt; sein Verteidiger gab an, dass er sich in Behandlung in einer Klinik befinde. Das Gericht hörte nun zwei behandelnde Ärzte des Angeklagten, wobei die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, wie ein Sprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte. Der weitere Verlauf des Prozesses ist unklar, ebenso die Entscheidung des Gerichts über einen Antrag der Staatsanwaltschaft, die aufgrund der Abwesenheit des Immobilienentwicklers beim Prozessbeginn einen Haftbefehl beantragt hatte.
In dem Finanzskandal geht es um Investitionen aus dem Vermögen des Bistums in US-Immobilienprojekte zwischen 2014 und 2016. Dabei wurden Rücklagen von fast 60 Millionen US-Dollar hochriskant angelegt. Den beiden Beschuldigten, dem US-Immobilienentwickler und einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Finanzabteilung, werden verschiedene Vorwürfe gemacht. Beide sind keine Geistlichen. Die 10. Strafkammer des Landgerichts München II hat insgesamt 59 Verhandlungstage bis zum 20. August angesetzt. Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke (71) soll am 5. März als Zeuge aussagen. Dem ehemaligen Bistumsmitarbeiter werden 22 Fälle von Untreue, 24 Fälle von Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der Immobilienentwickler sieht sich mit 25 Fällen von Bestechung, 24 Fällen von Anstiftung zur Untreue und fünf Fällen von Untreue konfrontiert.
Beide Beschuldigten waren zeitweise in Untersuchungshaft. Das Bistum hat zudem eine Zivilklage gegen den Immobilienentwickler beim Landgericht Ingolstadt eingereicht, die jedoch wegen des laufenden Strafverfahrens in München derzeit ausgesetzt ist. Der Finanzskandal wurde Anfang 2018 durch den damaligen Bischof Hanke öffentlich gemacht; er trat seit Pfingsten 2025 in den Ruhestand. Im Sommer 2017 hatte Hanke externe Wirtschaftsprüfer und Anwälte eingeschaltet und Anzeige erstattet. Zeitweise stand auch er selbst im Fokus der Ermittlungen, jedoch wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Als Reaktion auf den Skandal hat die Diözese ihre Anlagerichtlinien überarbeitet, und nun kümmern sich externe Dienstleister um die Investitionen. Bislang hat das Bistum etwa die Hälfte der investierten Gelder zurückerhalten.
Quelle: Pressemitteilung – Internetportal katholisch.de/Bild von Dieter Ludwig Scharnagl auf Pixabay

