(ka) Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) unterstützt die Initiative von Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien, das Thema gesellschaftliches Engagement und Gemeinschaftsdienste stärker in den Schulen zu verankern und die sozialen Dienste insgesamt zu fördern. Angesichts der aktuellen geopolitischen Herausforderungen ist es wichtig, die Rolle jedes Einzelnen für unsere Gesellschaft neu zu überdenken.

„Die Widerstandsfähigkeit unseres Landes hängt maßgeblich von dem Zusammenhalt ab und davon, wie viele Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, erklärte BRK-Präsident Hans-Michael Weisky am Dienstag in München. „Freiwilligendienste sind hierfür ein zentraler Bestandteil. Sie vereinen praktisches Engagement mit sozialer Bildung und unterstützen junge Menschen in ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.“

Mit dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) und dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) stehen bereits bewährte Systeme für freiwilliges Engagement zur Verfügung. Das BRK bietet in Bayern jährlich über 1.500 Freiwilligen vielfältige Einsatzmöglichkeiten – darunter in Krankenhäusern, Alten- und Behinderteneinrichtungen, Sozialstationen und im Rettungsdienst. Der Freiwilligendienst ist ein gesetzlich festgelegtes soziales Bildungsjahr, das praktische Tätigkeiten mit persönlichen Seminaren verknüpft.

Jedoch weist das BRK darauf hin, dass bereits jetzt mehr Bewerberinnen und Bewerber als finanzierte Plätze vorhanden sind. „Es ist absurd, dass wir engagierten jungen Menschen absagen müssen, weil die Finanzierung durch den Bund nicht ausreicht“, so Präsident Weisky.

Das BRK setzt sich daher für einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst ein, damit jeder, der sich engagieren möchte, die Möglichkeit dazu erhält.

Die Bekanntheit der Freiwilligendienste bei Jugendlichen ist noch ausbaufähig. Eine bessere Information in Schulen könnte hierzu beitragen. Allerdings sind die Träger und Einsatzstellen nicht in der Lage, die nötige Öffentlichkeitsarbeit alleine zu stemmen. Zudem sind entsprechende Maßnahmen nach den aktuellen Förderkriterien des Bundes nicht förderfähig und müssen daher aus eigenen Mitteln finanziert werden. Das BRK fordert daher gezielte Unterstützung von Bund und Ländern, beispielsweise durch landesweite Kampagnen sowie eine bessere Förderung und Anerkennung des Engagements, wie eine Erhöhung des sogenannten Taschengelds.

Ein zentrales Hindernis für viele junge Menschen ist die Sicherstellung ihres Lebensunterhalts während des Freiwilligendienstes. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten reicht das aktuelle Taschengeld oft nicht aus. Das BRK fordert daher eine einheitliche und deutliche Anhebung des Taschengeldes, die nicht allein von den Einsatzstellen getragen werden sollte, sondern von Bund und Ländern refinanziert werden muss.

Außerdem ist mehr öffentliche Anerkennung für das Engagement junger Menschen notwendig. Das BRK setzt sich für einen erleichterten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und kulturellen Angeboten sowie für ein „Bonussystem“ ein, das beispielsweise Vorteile bei Ausbildung, Studium oder Rentenanrechnung umfasst. Auch hier sind Bund und Länder gefordert.

Das BRK zeigt sich verwundert über die Überlegungen, im Rahmen eines Freiwilligendienstes das Handwerk stärker einzubeziehen. „Freiwilligendienste haben einen sozialen, ökologischen und karitativen Charakter“, betont Präsident Weisky. „Sie basieren auf zwischenmenschlicher Begegnung, Solidarität und dem direkten Einsatz für hilfsbedürftige Menschen. Diese Werte dürfen nicht verwässert werden.“

Das Engagement junger Menschen für unsere Gesellschaft ist größer, als oft angenommen. Viele sind bereit, aktiv zu werden – ob im Ehrenamt, im Bundesfreiwilligendienst oder im FSJ.

„Deshalb ist es wichtig, nicht über neue Verpflichtungen zu diskutieren, sondern stattdessen die vorhandene Motivation junger Menschen gezielt zu fördern“, erklärt Weisky. „Ein gut ausgestatteter Freiwilligendienst ist entscheidend für die gesellschaftliche Resilienz, besonders in Zeiten globaler Unsicherheiten. Daher sollten junge Menschen einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Freiwilligendienst haben.“

Quelle: Pressemitteilung / BRK Bayern –  Sohrab Taheri-Sohi