(ka) Die Firmenpleiten in Bayern steigen weiter. Für die ersten sechs Monate rech­net die Wirtschaftsauskunftei mit rund 1.780 Insolvenzen – 6,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Pro Werktag mussten damit fast 15 Unternehmen den Weg zum Amtsgericht antreten.

Bayern schneidet dabei besser ab als viele andere Länder. Nicht nur liegt der Anstieg der Insolvenzen unter dem bundesweiten Durchschnitt von 7,8 Prozent. Mit 60 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen gehört der Freistaat zudem zu den Regionen mit einer der niedrigsten Insolvenzquoten in Deutschland. Nur im Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern und in Thüringen fällt sie noch niedriger aus (49, 38 bzw. 37 pro 10.000 Unternehmen). Den Spitzenplatz der negativen Rangliste hält Berlin mit 120; der bundesweite Durchschnitt liegt bei 82.

Im Ranking hat Bayern dennoch erneut einen Platz verloren. Vor einem Jahr stand der Freistaat noch bei einer Quote von 55 und war damit besser unterwegs als Saarland und Thüringen. Im ersten Halbjahr 2024 rangierte Bayern sogar noch auf Platz zwei der niedrigsten Quoten.

Branchenmix und Kaufkraft machen den Unterschied
Creditreform führt als Ursache für regionale Unterschiede vor allem den Branchenmix an. Regionen mit vielen Betrieben aus Bau, Einzelhandel oder Gastgewerbe sehen die Quoten tendenziell höher. Doch auch die generelle wirtschaftliche Lage einer Region spielt eine große Rolle – etwa die Kaufkraft der Bevölkerung oder der Arbeitsmarkt. Hier liegt Bayern im Bundesvergleich vorn.

Bundesweit kletterte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 12.900 – der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013, so Creditreform. Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession sind viele Unternehmen finanziell angeschlagen. „Die Insolvenzzahlen zeigen eine tiefe, strukturelle Krise in unseren Betrieben, die durch den Nahost-Konflikt zusätzlich belastet wird“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung. Vor allem der sprunghafte Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise habe Unternehmen und Verbraucher stark getroffen.

Quelle: Pressemitteilung / DieBayern.de / Bild von Gerd Altmann von Pixabay