(ka) Nur rund ein Fünftel des in Deutschland verzehrten Obstes stammt aus heimischem Anbau; in Bayern sind es sogar nur jedes Zehnte. Wenn sich wirtschaftliche Bedingungen nicht ändern, könnte der Anteil heimisch erzeugten Obstes weiter sinken. Deshalb unterstützen der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Bayerische Erwerbsobstbau-Verband die bundesweite Aktion „Ein Fünftel ist nicht genug“ der Bundesfachgruppe Obstbau. Symbol der Aktion: fünf Obstkisten, vier leer, eine gefüllt.

In Bayern nahm Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer den symbolischen Hilferuf entgegen. Gemeinsam mit Obstbauer Marinus Niederthanner aus Nussdorf zeigte der BBV am Wochenende in Herrsching, bei der traditionellen Kreisobmännertagung, wie sich steigende Kosten, Bürokratie und wachsender Wettbewerbsdruck auf die Obstbaubetriebe auswirken. „Die Kunden wollen unsere Produkte, die Märkte wollen unsere Ware“, sagt Niederthanner. Er erzählt mit anderen Betrieben auf der Aktionsseite https://einfuenftel.obstbau.org/ ihre Geschichte. „Uns fehlt nicht die Nachfrage. Wo es hakt, sind die Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb und eine vernünftige Weiterentwicklung des Betriebs.“

Hohe Standards, aber kein fairer Wettbewerb
Bayrische Obstbauern arbeiten nach strengen Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards, zahlen gute Löhne und tragen hohe Energie- sowie Produktionskosten. Gleichzeitig konkurrieren sie mit Importware aus Ländern mit deutlich niedrigeren Kosten. Besonders trifft das die arbeitsintensiven Sonderkulturen, bei denen Ernte kaum automatisiert werden kann. Faire Bezahlung ist unverhandelbar. Doch hohe Standards dürfen nicht dazu führen, dass heimische Erzeugung vom Markt verdrängt wird durch Importe mit niedrigerem Niveau.

Heimischer Obstbau unter Druck
In Bayern wird auf mehr als 5.000 Hektar Obst angebaut – von Äpfeln, Kirschen und Zwetschgen bis zu Erdbeeren und anderem Beerenobst. Bundesweit schließt alle zwei Tage ein Betrieb. Jeder Betrieb, der aufgibt, verliert Arbeitsplätze, Fachwissen und regionale Wertschöpfung. Eine gerodete Obstanlage ist im nächsten Frühjahr kaum wieder aufgepäppelt.

Das fordert der BBV
„Im Koalitionsvertrag steht das Ziel, den Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse zu erhöhen“, betont Karl-Ludwig Rostock, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes. „Jetzt muss die Bundesregierung Taten folgen lassen.“ Der BBV und der Bayerische Erwerbsobstbau-Verband unterstützen das von der Bundesfachgruppe Obstbau gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband und anderen Verbänden erarbeitete Maßnahmenpaket:

– Sonderregelungen beim Mindestlohn für Saisonarbeit
– steuerliche Entlastung für besonders arbeitsintensive Betriebe
– eine Risikoausgleichsrücklage
– praxisnahe Regeln für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten
– mehr Rechtssicherheit bei sozialversicherungsfreier Beschäftigung

Diese Entlastungen müssen jetzt beschlossen werden, spürbar wirken und wirklich bei den Betrieben ankommen.

„Regionalität ist ja oft nur ein Sonntagsvorsatz“, so Rostock. „Uns geht es um konkrete Umsetzung: Wer heimisches Obst will, muss dafür sorgen, dass hier wirtschaftlich erzeugt werden kann.“

Genau diese Frage stellt die Aktion: Wollen wir überhaupt noch heimisches Obst? Wenn ja, braucht es klare Konsequenzen. Mehr Informationen und Hofporträts gibt es unter https://einfuenftel.obstbau.org.

*Bildunterschrift: Bayerns Obstbauern können und wollen die heimische Nachfrage nach frischem Obst decken. Ihre Ware muss jedoch in einem ungleichen Wettbewerb gegen günstige Importware bestehen. Das muss fairer werden, fordern die Betriebe von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Von links nach rechts: Ely Eibisch, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Florian Stocker, Obstbauer aus der Bodenseeregion; Stefan Haas, Obstbauer der Bodenseeregion; Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft; Marinus Niederthanner, Obstbauer aus dem Landkreis Rosenheim; Klaus Strodel, Obstbauer der Bodenseeregion; Christine Singer, Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes und Europaabgeordnete. ( Foto: © BBV)

Quelle: Pressemitteilung / Bayerischer Bauernverband /