(ka) Die vier Milliarden Euro schwere Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie hat ihr politisches Ziel verfehlt. Eigentlich sollten Gäste entlastet werden, doch eine Preisstudie zeigt: Von mehr als 180.000 Gerichten wurden nur rund ein Prozent günstiger. Gleichzeitig wächst der Frust unter den Beschäftigten: 71 Prozent ziehen in Erwägung, das Gastgewerbe zu verlassen. Das zeigen eine bundesweite NGG-Befragung und die heute in Berlin vorgestellte Studie.
Die Preisstudie von wmp consult im Auftrag der NGG ergab: 91 Prozent der Preise blieben unverändert, etwa acht Prozent wurden teurer. Besonders oft verteuerten sich Bowls (14 Prozent), Schnitzel (11 Prozent) und Steaks (10 Prozent). Im Schnitt stiegen die Preise um 0,5 Prozent. Nur ein Prozent der Gerichte wurden billiger. Von der Steuersenkung profitieren Gäste also nicht.
NGG-Vorsitzender Guido Zeitler zieht eine ernüchternde Bilanz: Die Bundesregierung wollte die Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten – getan hat sich davon nichts. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Außerdem profitierten die Beschäftigten bisher nicht von dem Steuergeschenk der Branche. In den laufenden Tarifverhandlungen mit DEHOGA erlebe die NGG eine klare Blockade bei Lohnerhöhungen.
Zeitler fordert Umdenken: Die Branche kann nicht dauerhaft auf staatliche Unterstützung setzen, während die Beschäftigten leer ausgehen. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bieten – statt den Acht-Stunden-Tag infrage zu stellen. Die aktuelle NGG-Beschäftigtenbefragung zeigt deutlich, wie dringend Handlungsbedarf besteht: Viele Beschäftigte arbeiten am Limit und machen sich dennoch Sorgen um die finanzielle Zukunft.
Aus der Befragung von über 2.000 Mitarbeitenden geht hervor, dass in vielen Betrieben deutlich länger als acht Stunden pro Tag gearbeitet wird. Fast jede/r Zweite arbeitet regelmäßig acht bis zehn Stunden, zehn Prozent sogar länger. Dreiviertel der Beschäftigten erholen sich nach langen Tagen nicht ausreichend. 79 Prozent berichten von kurzfristigen Dienstplanänderungen, die Familie und Beruf belasten. Deshalb sprechen sich 96 Prozent für eine Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit aus.
Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe, betont: Die Beschäftigten zahlen nicht länger die Zeche für Personalmangel und Verdichtung. Die Ergebnisse sind ein klarer Auftrag an die Arbeitgeber: Sie wollen keine längeren Arbeitstage, sondern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Einkommen. In den Tarifverhandlungen soll deshalb weiter Druck gemacht werden.
Das Gastgewerbe zählt mit über zwei Millionen Beschäftigten zu den größten Dienstleistungsbranchen Deutschlands. Rund die Hälfte der Arbeitsverhältnisse liegt im Niedriglohnsektor, nur etwa ein Viertel der Beschäftigten arbeitet in tarifgebundenen Betrieben. Der aktuelle Mindestlohn liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro.
Quelle: Pressemitteilung / NGG – Dirk Herzog / Foto: Pressefoto NGG
