(ka) Kino mal anders: Statt im Kinosaal trafen sich am Sonntagabend rund 50 Besucherinnen und Besucher auf dem Bio-Streuobsthof der Familie Stöckl in Rohr. Die Öko-Modellregion Kelheim hatte zum ersten Bauernhofkino dieser Art im Landkreis Kelheim eingeladen und zeigte den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm Der Bauer, der das Gras wachsen hört von Bertram Verhaag. Als besonderer Gast war der im Film portraitierte Bio-Landwirt Michael Simml persönlich vor Ort. Es herrschte großer Andrang – die Anmeldungen wurden deutlich übertroffen, der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Der Abend begann mit einer Hofführung über dem Streuobstbetrieb. Georg Stöckl stellte den Hof vor und schilderte die Entwicklung vom konventionellen Betrieb hin zum ökologischen Landbau. Sein Sohn Lorenz erzählte zudem, wie aus seiner Idee zur Bio-Streuobst-Schorle namens „Lilo“ inzwischen eine zweifach prämiierte Sorte entstanden ist. Die Gäste konnten gleich vor Ort die drei Sorten probieren, eine kleine Brotzeit rundete das Angebot ab.
In der Verarbeitung wird sichtbar, wie aus Obst Saft wird: Im hofeigenen Raup pressen die Betreiber auch zu Früchte aus anderen Quellen ihren Saft. Im Verarbeitungsraum wird der Saft erhitzt und haltbar gemacht. Dort wird nicht nur Saft abgefüllt, sondern auch Marmelade oder Obstmus eingemacht und Dörrobst in Trockenschränken hergestellt. Die Bio-Streuobstprodukte finden sich im eigenen Hofladen. Derzeit liegt der Laden noch im Obstlager, der neue Hofladen ist im Bau und soll noch dieses Jahr eröffnen.
Nach der Hofführung versammelten sich alle zur Filmvorführung. Der Film erzählt die Geschichte von Michael Simml, der in den 1980er-Jahren im Bayerischen Wald auf ökologischen Landbau umstellte – zu einer Zeit, als Bio-Landwirtschaft noch nicht selbstverständlich war.
Dass Simml und seine Frau vor Ort waren, machte den Kinoabend besonders. In einer humorvollen Einführung berichtete er, wie es zur Entstehung des Films kam. Anfangs hatte er wenig Interesse an einem Filmprojekt über seinen Betrieb. Doch als ihm klarwurde, wie wenig die Politik die Praxis der Landwirtschaft verstand, ließ er sich doch von Regisseur Verhaag überzeugen. Gedreht wurde der gesamte Film in nur acht Tagen.
Während des Abends zeigte sich rasch, warum Simml so überzeugend als Protagonist wirkt: Mit einer leidenschaftlichen, zugleich unterhaltsamen Art gewann er auch in Rohr die Gäste für seine Sicht auf Landwirtschaft. Sein Fokus liegt klar auf dem Boden – dem Zusammenspiel aus Nährstoffen, Bodenlebewesen und Pflanzen, das den nachhaltigen Erfolg bestimmt. Im Anschluss standen Simml und Regisseur Verhaag für Fragen bereit. Es wurde rege diskutiert, von praktischen Erfahrungen aus der Landwirtschaft bis hin zur Umsetzung im eigenen Garten.
Die Rückmeldungen waren durchweg positiv und zeigten, wie gelungen der Abend war: eine gute Mischung aus Film, Bio-Landwirtschaft und persönlichem Austausch.
Organisiert wurde das Kinoabend von der Öko-Modellregion Kelheim. Das Projekt des Landkreises Kelheim setzt sich dafür ein, ökologische Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.
Weitere Infos unter www.oekomodellregionen.bayern/landkreis-kelheim.
*Bildunterschrift: Bauernhofkino – Sonja Rieger von der Öko-Modellregion Kelheim (3.v.l.) und Familie Stöckl mit Georg, Marianne und Lorenz Stöckl (4. bis 6.v.l.) luden zum Kinoabend ein. Auch der im Film porträtierte Michael Simml und seine Frau Agnes (beide links im Bild) waren persönlich vor Ort. (Foto: Sonja Rieger, Landratsamt Kelheim)
Quelle: Pressemitteilung / Lkr. Kelheim
