(ka) Auf der dritten Betriebsversammlung des Jahres im Audi-Werk Neckarsulm stellte der Betriebsrat die möglichen Folgen der Entscheidungen im Volkswagen-Konzern in den Mittelpunkt und rief zu einem klaren Bekenntnis zum Standort auf. Die Belegschaft und die Arbeitnehmervertretung stehen geschlossen hinter einer starken Zukunft für Audi Neckarsulm. Auf Einladung des Betriebsrats waren auch VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume vor Ort und hielt eine Rede.
Rund 5.000 Kolleginnen und Kollegen verfolgten die Veranstaltung im Logistikanbau der Halle B16 sowie auf einer zugeschalteten Ausweichfläche. Den Ablauf leitete Alexander Reinhart als Vorsitzender des Betriebsrats.
In seiner Rede ging Jens Stammler auf die Debatten zur Standortzukunft ein. Er betonte, dass Audi Neckarsulm seit Generationen zur Identität und Innovationskraft von Audi beigetragen hat. In Richtung der Unternehmensführung stellte er klar: Wer unsere Perspektive infrage stelle, stelle auch einen Standort in Frage, der den Aufbau der AUDI AG geprägt habe. Zugleich räumte er die aktuelle Lage der Automobilbranche ein und verwies auf kommende Gespräche: Auch der Betriebsrat sehe die schwierige Situation der Branche und wisse, dass Audi wettbewerbsfähiger werden müsse.
Für eine tragfähige Zukunft seien neben Kostensein-sparungen auch die Stärken des Standorts entscheidend. Auf dieser Basis müsse ein Zukunftsplan für Wachstum und technologischen Vorsprung in Neckarsulm entstehen. Stammler machte deutlich: Man wolle sicherstellen, dass die Innovationskraft der Technischen Entwicklung, die Fertigungskompetenz und die Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz und Digitalisierung berücksichtigt werden. Genau hier liege das Potenzial von Audi Neckarsulm – Fähigkeiten, die der Konzern und die Marke brauchten.
Oliver Blume, Vorsitzender der Volkswagen AG, ordnete die aktuelle Lage der Automobilindustrie ein und zeigte auf, wie der Zukunftsplan den Konzern und seine Marken dauerhaft wettbewerbsfähig machen soll. „Wir erleben den größten Umbruch in der Automobilbranche, und als global agierender Konzern treffen uns diese Entwicklungen mit voller Härte“, sagte Blume. „Unser Zukunftsplan macht die Volkswagen Group robuster und wettbewerbsfähiger: weniger Komplexität, mehr Fokus auf starke Produkte, führende Technologien und unsere Kunden. Wir wissen, was zu tun ist, und haben keine Zeit zu verlieren: Wir wollen weiterhin an der Spitze bleiben, in unsere Zukunft investieren und Arbeitsplätze sichern. Das Team in Neckarsulm hat viel geschafft – jetzt geht es darum, im europäischen Vergleich aufzuholen und eine klare Perspektive für den Standort zu entwickeln.“
Anschließend erläuterte Audi-Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner, was die veränderten Rahmenbedingungen für Audi und Neckarsulm bedeuten. Er hob die Bereitschaft des Standorts zur Veränderung als entscheidende Voraussetzung für die Zukunft hervor: „Geopolitische Entwicklungen, Zölle und Regulierungen lassen sich kaum beeinflussen. Unsere Kosten, unsere Qualität, unsere Produktivität und die Geschwindigkeit unserer Entscheidungen können wir jedoch beeinflussen. Darauf konzentrieren wir uns. Neckarsulm verfügt über enorme industrielle Kompetenz und eine beeindruckende Geschichte. Tradition allein reicht nicht für die Zukunft. Unser Anspruch ist, den Standort so weiterzuentwickeln, dass er langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Dafür müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen und gemeinsam eine tragfähige industrielle Perspektive erarbeitet werden.“
Bei Audi zeichnet sich zudem ab, dass weitere Stellen abgebaut werden könnten – der Konzern hat die Betriebsvereinbarung vom März 2025 gekündigt. Das sagte Vorstandschef Gernot Döllner am Rande der Versammlung in Neckarsulm. Laut Zukunftsplan von Volkswagen stehen bei Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati rund 10.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der neue A8 soll laut Döllner in Leipzig gebaut werden. Das Werk Neckarsulm ist zwar bis 2034 ausgelastet, doch bleibt offen, welche Modelle danach dort produziert werden. Es besteht die Sorge, dass auch Fahrzeuge anderer Konzernmarken in Audi-Werken rollen könnten. Heute Nachmittag Freitag (09.10.2026) findet in Ingolstadt die Betriebsversammlung statt.
Quelle: Pressemitteilung /Audi Media Center – Christoph Fye-Sudendorf / Bild-Nr: A264774 · Copyright: (C) 2025 Matt Stark, www.mattstark.de
