(ka) Am 20. Februar fand in der Grund- und Mittelschule Reichertshofen eine öffentliche Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz (ARGE) statt. Rund 70 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen, der Politik und Einsatzorganisationen informierten sich über aktuelle Projekte und strategische Ziele.
Der 1. Vorsitzende und Landrat Albert Gürtner präsentierte die Arbeitsweise und Zielsetzung der ARGE. Diese Gemeinschaft versteht sich als eine Art kommunale Familie, die den Hochwasserschutz im gesamten Gewässersystem betrachtet – „von der Quelle bis zur Mündung“. „Wasser kennt keine Gemeindegrenzen. Wir müssen das gesamte Einzugsgebiet gemeinsam im Blick haben“, betonte Gürtner und fügte hinzu, dass man der Region mehr politisches Gewicht verleihen wolle: „Als Arbeitsgemeinschaft wollen wir so stark auftreten, dass wir in München und Berlin Gehör finden und schnell unbürokratische Maßnahmen umsetzen können.“
Ein zentrales Anliegen der ARGE ist der Ausbau dezentraler Maßnahmen. „Jeder Kubikmeter Wasser, der zurückgehalten wird, schützt die Anliegerkommunen“, erklärte Gürtner. Anstatt sich nur auf Großprojekte zu konzentrieren, möchte man mehrere kleinere Maßnahmen ins Leben rufen. „Wir brauchen mit vielen kleinen Schritten einen Hochwasserschutz, der wirkt und möglichst wenig Genehmigungsverfahren benötigt.“ Das Ziel ist es, mit möglichst geringem Mitteleinsatz eine große Wirkung zu erzielen. Insbesondere kleine, dezentrale Maßnahmen sind geeignet, um rasch Verbesserungen herbeizuführen.
Der stellvertretende ARGE-Vorsitzende und 1. Bürgermeister von Reichertshofen, Michael Franken, erinnerte an das Hochwasser im Juni 2024: „Es hat uns deutlich gezeigt, welche Kraft das Wasser entfalten kann und wie wichtig der Zusammenhalt unserer kommunalen Familie ist.“ Laut Franken verbindet die ARGE strategisch verschiedene Themen: „Der Dreiklang aus Hochwasserschutz, Starkregenvorsorge und Trockenheit ist der Kern unserer Arbeit. Auch kleine Maßnahmen tragen dazu bei, unsere Bürgerinnen und Bürger besser zu schützen.“
Ein weiteres zentrales Element ist die geplante Modellregion, wie Kuratoriumsmitglied und Mitinitiator der ARGE, Landtagsabgeordneter Roland Weigert, erläuterte. Ziel ist es, im Rahmen eines Modellregionengesetzes die Verfahren zu beschleunigen und die beteiligten Gemeinden strukturell zu stärken. Zudem wird ein Echtzeit-Frühwarnsystem aufgebaut, das wertvolle Zeit vor einer drohenden Hochwasserwelle gewinnen soll. Zeit ist ein entscheidender Faktor, um im Ernstfall gut vorbereitet zu sein. Frühzeitige Informationen können die Einsatzkräfte entlasten und dazu beitragen, dass Schutzmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden.
Die ARGE setzt weiterhin auf einen engen Austausch mit den Kommunen und den Dialog mit der Bevölkerung. Weitere Informationsveranstaltungen im Einzugsgebiet sind bereits in Planung. Das Ziel bleibt ein solidarischer und regional abgestimmter Schutz, der die Region widerstandsfähiger gegenüber extremen Wetterereignissen macht.
