(ka) Deutschland verbraucht 2026 voraussichtlich deutlich weniger Energie als im Vorjahr. Nach einer Hochrechnung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) dürfte der Gesamtverbrauch um knapp drei Prozent zurückgehen. Als wichtigste Gründe nennen die Experten die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und den kräftigen Anstieg der Energiepreise. Das Wetter und andere Faktoren haben dagegen nur einen geringen Einfluss. Auch die energiebedingten CO₂-Emissionen dürften sinken: Für das Gesamtjahr rechnet die AGEB mit einem Rückgang um knapp vier Prozent.

Weniger Öl und Braunkohle, mehr Gas und erneuerbare Energien Die Jahresprognose stützt sich auf die Daten der ersten neun Monate 2026. Von Januar bis September lag der Energieverbrauch um 3,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Ausschlaggebend waren vor allem ein geringerer Mineralölabsatz und ein weiter gesunkener Beitrag der Braunkohle. Bei Erdgas, Steinkohle und erneuerbaren Energien verzeichnete die AGEB hingegen Zuwächse. Besonders deutlich fiel der Rückgang beim Mineralöl aus: Der Verbrauch sank insgesamt um mehr als zwölf Prozent.

Die einzelnen Produkte entwickelten sich dabei unterschiedlich:

– Ottokraftstoff: – 4 % 

– Diesel: – 9 % 

– Flugkraftstoff: – 3 % 

– Rohbenzin für die chemische Industrie: – 5 % 

– Leichtes Heizöl: – 38 % 

Beim Heizöl führt die AGEB das starke Minus vor allem auf die hohen Preise zurück. Verbraucher bauten ihre vorhandenen Bestände ab und kauften nur geringe Mengen nach.

Steinkohle und erneuerbare Energien legen zu

Der Erdgasverbrauch stieg in den ersten neun Monaten leicht um 0,8 Prozent. Deutlich stärker fiel der Zuwachs bei der Steinkohle aus: Ihr Verbrauch nahm um mehr als acht Prozent zu. In Kraftwerken wurde zur Stromerzeugung 7,2 Prozent mehr Steinkohle eingesetzt. Auch die Eisen– und Stahlindustrie verbrauchte etwas mehr als im Vorjahreszeitraum. Die erneuerbaren Energien legten um 5,7 Prozent zu. Damit erhöhte sich ihr Anteil am gesamten Energieverbrauch auf 22,5 Prozent, nach 20,5 Prozent im Vorjahr. ## Deutschland exportiert mehr Strom, als es importiert Beim Stromaustausch mit dem Ausland zeigte sich ebenfalls eine Veränderung. In den ersten neun Monaten floss mehr Strom aus Deutschland ins Ausland als umgekehrt. Der Exportüberschuss betrug 1,9 Terawattstunden. In den entsprechenden Zeiträumen der beiden Vorjahre hatte Deutschland noch deutlich mehr Strom importiert als exportiert.

Der inländische Primärenergieverbrauch lag in den ersten drei Quartalen insgesamt bei 10.356 Petajoule, umgerechnet 2.877 Terawattstunden.

Zur Einordnung: Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Fossile Energieträger bleiben dominierend

Trotz des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien deckten Öl, Erdgas und Kohle weiterhin den größten Teil des deutschen Energieverbrauchs. Zusammen kamen die fossilen Energieträger in den ersten neun Monaten auf einen Anteil von 75,5 Prozent. Zu den übrigen Anteilen zählen unter anderem Strommengen aus der Müllverbrennung. Die Hochrechnung stammt von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Ihr gehören drei Wirtschaftsverbände und fünf Institute an, die sich mit energiewirtschaftlicher Forschung beschäftigen.

Quelle: Pressemitteilung /  proplanta – dpa / Foto von Arthur Lambillotte auf Unsplash