
(ka) Knapp 700 Kinder aus dem hiesigen Schulamtsbezirk fanden den Weg nach Eichstätt und besuchten das Theater „Trau dich!“. Die Grund- und Mittelschüler kamen aus allen Himmelsrichtungen des Landkreises, so aus den 4. Jahrgangsstufen der Grundschulen Eichstätt, Gaimersheim, Kösching, Nassenfels, Walting, Schernfeld und Denkendorf sowie aus der 5. Jahrgangsstufe der Mittelschulen Eichstätt und Gaimersheim. Das Gabrieli-Gymnasium stellte seine Aula für die Aufführung zur Verfügung.
Schon am Vortag war das Theaterensemble „Radiks“ mit Sack und Pack, mit Theaterkulissen und Beleuchter aus der Hauptstadt Berlin in das Altmühltal gekommen und wurde hier von den Organisatoren und Verantwortlichen des Projekts begrüßt. Dem Theatertag waren schon Fortbildungen für Lehrkräfte und Elternabende voraus gegangen. Die Schauspieler sind unterwegs mit einer wichtigen Botschaft für Kinder und Eltern: „Trau dich!“ Wie wichtig diese Botschaft ist, zeigt allein schon eine statistische Zahl: In jeder Schulklasse sitzen etwa zwei Kinder, die von Missbrauch in verschiedenen Formen betroffen sind. Darum gehen das Landratsamt mit dem Amt für Familie und Jugend, das Staatliche Schulamt Eichstätt und die WEICHE – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt in Kooperation miteinander, weil alle wissen: „Wir müssen unsere Kinder schützen. Wir müssen sie ermutigen: Trau dich, hol dir Hilfe, vertrau deinen Gefühlen, setz Grenzen, vertrau dich jemand an“, so die Organisatoren. Es bleibt die Frage, wie diese Ermutigung umgesetzt werden kann.
Die Schauspieler können diese Aufgabe mit ihrem Auftritt sehr gut lösen. Schülerinnen und Schüler werden durch das interaktive Theater stets mit einbezogen. Bereits im Foyer beginnt das Theatererlebnis: Die Theaterleute kommen ins Gespräch mit den Kindern, stellen Fragen und hören zu, selbstverständlich nur, wenn die Kinder es wünschen. Auf der Bühne werden die Kinder wiederholt in das Geschehen integriert. Sie hören Aufforderungen, Ideen beizusteuern, Fragen zu stellen und ihre Meinung zu äußern. Dabei gibt es keine falschen Antworten. Auch das Nachdenken, das Zögern, das Ringen um die richtigen Worte haben ihren Platz. Ergänzung finden die Live-Szenen durch eingespielte Videos, in denen Kinder zu Wort kommen, die bereits mehr über das Thema wissen. Sie kommentieren das Geschehen, teilen eigene Erfahrungen und machen dem Publikum Mut, selbst über Gefühle zu sprechen. Denn nach wie vor gibt es in der Gesellschaft Tabuisierungen des Themas und es fehlt häufig die Sprache dafür. Allerdings steht inzwischen auch umfassendes Informationsmaterial an den Schulen zur Verfügung, das Handlungssicherheit für Eltern, Kinder und Lehrkräfte geben will. Außerdem findet sich diese Thematik in den Schutzkonzepten an den Grund- und Mittelschulen wieder.
Am Ende des gelungenen „Trau-dich-Projekts“ zeigte sich erneut die bleibende Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit von Schulamt-Schulen, Jugendamt und Fachstellen, um die Prävention des sexuellen Missbrauchs bei allen Kindern zu fördern. Die Schülerinnen und Schüler, die die Theateraufführung besucht haben, verließen jedenfalls gut gerüstet den Veranstaltungsort.
*Bildunterschrift: Freude über ein gelungenes Projekt (von li.): Rudolf Färber (Fachlicher Leiter Schulamt), Siegmund Hammel (Leiter Amt für Familie und Jugend Eichstätt), Anja Strauß (Leitung WEICHE – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt), Jutta Hildebrandt (Fachbereichsleitung Allgemeiner Sozialdienst) und Andrea Blomeyer (Beratungsrektorin Schulberatung). (Foto: Ramona Sämeier, Landkreis Eichstätt)
Quelle: Lkr. Eichstätt / Pressemitteilung – Manfred Schmidmeier
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