
(ka) Nach einem Jahr geprägt von Trockenheit und Hitze rechnen BBV und die Erzeugergemeinschaften für Qualitätskartoffeln in Bayern mit einer etwas unterdurchschnittlichen Ernte 2026 – mit deutlichenUnterschieden je nach Region.
„Die Kartoffel gehört zu Bayern“ – das hat Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gestern während der traditionellen Ernterundfahrt im Landkreis Eichstätt klar auf den Punkt gebracht. Auf dem Hof von Thomas Batz in Ettling hat sie sich ein Bild von der angespannten Lage der Kartoffelbauern gemacht.
Anbaujahr 2026: Guter Start, später Probleme im Sommer
Die Pflanzung erfolgte Ende März bis Ende April unter meist guten Bedingungen. Lokale Spätfröste schadeten dem Kraut. Trotz zunehmender Trockenheit im Mai wuchsen die Bestände zunächst ordentlich; erste Juni-Schauer brachten kräftige Blattentwicklung und guten Knollenansatz. Ab Ende Juni setzte eine extreme Hitze dem Wachstum jedoch deutlich zu. Dazu fehlten vielerorts rund die Hälfte der üblichen Niederschläge. In einer Umfrage bewerteten rund ein Drittel der Betriebe die bayerischen Bestände als mangelhaft bis ungenügend. In Schwaben und im fränkischen Knoblauchsland gab es zudem größere Hagelschäden. Je nach regionalen Regenfällen und Bewässerungsmöglichkeiten schwankt die Lage stark. „Wir rechnen mit kleineren Knollengrößen sowie deutlichen Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten“, so BBV-Pflanzenbaupräsident Hermann Greif.
Anbau in Bayern: weniger Fläche, höhere Kosten, mehr Schädlingsdruck
2026 sank die Anbaufläche um etwa vier Prozent auf rund 37.400 Hektar. Verluste trafen vor allem Verarbeitungs- und Speisekartoffeln; Stärkekartoffeln legten zu. Die Schwerpunkte des Kartoffelanbaus liegen in Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz und Schwaben. Neben dem extremen Klima bleibt die Schilf-Glasflügelzikade eine ernste Bedrohung, weil sie Stolbur und SBR überträgt. Der amtliche Warndienst meldete heuer für 40 Landkreise und zwölf kreisfreie Städte Warndrohungen – besonders entlang der Donau und rund Würzburg. Hinzu kommen stark gestiegene Energie- und Düngemittelpreise, die zu Jahresbeginn die Erzeugerpreise drückten.
Kartoffelmarkt zeigt sich ausgeglichen
Nach einer deutlich überdurchschnittlichen Vorjahresernte, einem Überangebot und wuchtigem Preis- und Vermarktungsdruck empfahl die Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften ihren Mitgliedsbetrieben, Flächen zu reduzieren. „Wichtig ist, langfristig ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu halten“, erklärt Konrad Zollner, Vorsitzender der Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften für Qualitätskartoffeln in Bayern. „Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt die Versorgung mit heimischer Kartoffel aktuell gut. Die wirtschaftliche Situation vieler Kartoffelbetriebe bleibt jedoch angespannt.“
Bewässerung sichert Ernten
Neue Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, extreme Wetterlagen und geopolitische Verwerfungen erfordern ein Bündel aus agrar-, Politik- und züchterischen Maßnahmen. „Gerade bei der Zikade zeigt sich, was möglich ist, wenn Politik, Forschung und Praxis an einem Strang ziehen“, so Greif. „Um Ernten wirklich abzusichern, muss auch über Bewässerung gesprochen werden. Die Landwirtschaft nutzt nur einen kleinen Teil am Wasser, braucht aber dringend Planungssicherheit. Dabei geht es nicht um Luxus, sondern um die Versorgungssicherheit der Grundnahrungsmittel.“
Quelle: Pressemitteilung / Bayerischer Bauernverband / Foto: © BBV
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