
(ka) Kösching – mehr als 60 interessierte Zuhörer folgten dem Vortrag von Thomas Schumann über die aktuelle Lage in Georgien. Der Journalist zeichnete ein eindrucksvolles Bild eines Landes, das zwischen Europa und Russland zerrieben wird.
Mit einem georgischen Begrüßungsspruch, der in Deutsch etwa lautet „Hallo, lass‘ uns die guten Zeiten beginnen!“ begrüßte Schumann die Frauen und Männer, die nicht nur aus den Reihen der Kolpingfamilie kamen.
Thomas Schumann berichtete eindrucksvoll von seiner Reise im Frühjahr 2025, die er gemeinsam mit mehreren Journalisten unternommen hatte. Vor Ort sprach er mit Menschen, die zwischen Hoffnung und Angst leben. Mit eindrucksvollen Filmsequenzen und Bildern brachte er den Zuhörern die Realität in Georgien näher – eine Realität, die von politischer Unsicherheit und gesellschaftlicher Spaltung geprägt ist.
Er legte anhand von Landkarten dar, dass Georgien strategisch zwischen Ost und West liegt und genau dort sich die Lage zuspitzt. Während große Teile der Bevölkerung den Weg Richtung EU und Westen ersehnen, orientiert sich die Regierung zunehmend an Moskau. Autoritäre Tendenzen nehmen zu, die Demokratie steht auf dem Prüfstand. Für die „EU-freundlichen“ Menschen ist die Situation prekär. Ihre Hoffnungen auf eine europäische Integration geraten ins Wanken.
Bei seinem Besuch vor Ort konnte er erleben, dass sich die katholische Kirche insbesondere durch das deutsche katholische Hilfswerk Renovabis mit Partnern vor Ort bemüht, die für große Teile der Bevölkerung prekären Lebensbedingungen benachteiligter Menschen zu verbessern. Örtliche Projektpartner setzen sich zudem für ein breites Bildungsangebot, damit eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft ermöglicht wird.
Bei den anschließenden Einzelgesprächen äußerten einige Teilnehmer Besorgnis über die fragile Lage und machten sich Gedanken zu den Auswirkungen auf Europa. Der Vortrag war ein eindrucksvoller Weckruf: Georgien ist mehr als ein fernes Land – es ist ein Spiegelbild der Machtspiele zwischen Ost und West. Die Zukunft bleibt ungewiss, doch die Sehnsucht nach Freiheit und europäischer Zugehörigkeit ist stark.

Foto: Archiv Schumann
Der Journalist und Pressereferent Thomas Schumann vom Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, der in Kösching lebt, zeigte elf Medienschaffenden aus ganz Deutschland im Frühjahr 2025 die Lebenswirklichkeit der Menschen in Georgien. Im Januar berichtete er darüber mit Film- und Fotomaterial bei der Kolpingfamilie.
Hier steht er vor der Sameba-Kathedrale hoch über Georgiens Hauptstadt Tiblisi/Tiflis. Das wunderschöne Land im Südkaukasus wird zunehmend gespalten zwischen der Sehnsucht großer Teile der Bevölkerung nach Europa und dem politischen Sich-Anbiedern an Russland, wo „eine kleine oligarchisch-korrupte Minderheit Vorteile für sich sucht und angstvoll vor dem übermächtigen Nachbarn kuscht“, wie Schumann erläuterte. So sei die einst perspektivreiche junge demokratische Republik Georgien an der Jahreswende 2025/26 von populistisch-autokratischen Tendenzen bedroht – ihre für Rechtsstaat, Demokratie, Freiheit, Freizügigkeit und wirtschaftliche, politische und kulturelle Orientierung in Europäischen Union Mahnenden blieben ungehört, würden mundtot gemacht, oft verhaftet und willkürlich hart bestraft: Seit rund 500 Tagen demonstrierten vor dem Georgischen Parlament dennoch fast täglich verbotenerweise Dutzende, manchmal Tausende Regimekritiker gegen ihre Regierung.
„Diese Menschen lieben ihr Land, protestierten aber gegen die gefälschten Wahlen vom Oktober 2024, die unredliche irreguläre Absetzung der Staatspräsidentin und für eine möglichst baldige Wiederaufnahme der unterbrochenen Beitrittsverhandlungen zur EU“, sagte Schumann.
Mit Georgiens abgesetzter Staatspräsidentin Salomé Subaraschwili hatte der Pressesprecher von Renovabis einen Interviewtermin für seine Journalistengruppe arrangieren können, ebenso mit dem amtierenden neuen Vize-Außenminister, dem Apostolischen Nuntius für alle drei Kaukasusstaaten und die Geschäftsträgerin der Deutschen Botschaft – Interessante Recherchen in Tiblisi, die im Sommer 2025 zu einer lebhaften und anschaulichen Berichterstattung geführt hätten, wie sich Pressereferent Schumann über die Medienkooperation freute.
Quelle: Georg Altmann, Vorsitzender der Kolpingsfamilie/ Fotos vom Vortrag: Georg Altmann / Thomas Schumann/Foto: Archiv Schumann

