
(ka) Die Renaturierung der Sulz im Innenstadtbereich von Beilngries feierte Ende 2025 ihr 20-jähriges Bestehen. Der Fluss, der früher stark verbaut und kanalisiert war, wurde vom Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt in ein naturnahes Gewässer mit hohem Erholungswert umgestaltet. In den vergangenen Jahren hat das Bayerische Landesamt für Umwelt untersucht, wie sich diese Renaturierungsmaßnahmen auf die Fischbestände ausgewirkt haben – die Ergebnisse sind erfreulich: Sowohl in der renaturierten Sulz als auch in der angrenzenden Altmühl profitieren die Fische von den Veränderungen. Der Naherholungswert ist gestiegen und die Lebensräume für aquatische Organismen haben sich erheblich verbessert.
Die Sulz in Beilngries hat sich seit ihrer Kanalisation zum Hochwasserschutz in den Jahren 1929/30 gewandelt und verlor damit ihren ursprünglichen Charakter. Der Bau des Main-Donau-Kanals im Jahr 1992 bot die Gelegenheit, die Renaturierung der Sulz zu starten, welche auch als Ausgleichsmaßnahme für diesen Bau dient. Im Frühjahr 2005 begann das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt mit den Arbeiten. Ziel war es, die Sulz im Stadtgebiet wieder in ein naturnahes Fließgewässer zu verwandeln und stadtnahe Erholungsflächen zu schaffen. Neben der Verbesserung der Lebensräume wurden technische Maßnahmen wie der Bau einer Hochwasserableitung an der Schiffsschleuse Dietfurt und eines Auslassbauwerks am Kanal durchgeführt. Das alte kanalartige Bett wurde aufgefüllt und um bis zu zwei Meter angehoben. Die alten Hochwasserschutzmauern wurden abgerissen, sodass die Sulz sich eigenständig entwickeln konnte. Der neue Gewässerlauf wurde naturnah gestaltet, und entlang der renaturierten Sulz entstanden Begleitwege sowie Freiflächen mit Spielplätzen und Zugängen mit Trittsteinen. Im Mündungsbereich wurde die biologische Durchgängigkeit zur Altmühl wiederhergestellt. Heute ist der Sulzpark, das Ergebnis dieser erfolgreichen Flussrenaturierung, ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Die Gesamtkosten von fast fünf Millionen Euro wurden zur Hälfte vom Freistaat Bayern und zu einem Drittel vom Bezirk Oberbayern finanziert; der Rest wurde von der Stadt Beilngries und der Rhein-Main-Donau-GmbH getragen.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) führte Erfolgsüberprüfungen der Fischbestände in verschiedenen Abschnitten der Sulz durch und stellte bereits kurz nach den Maßnahmen zwischen 2006 und 2008 eine hohe Artenvielfalt fest. Bei den Befischungen in den Jahren 2023 und 2024 wurden mit 25 heimischen Fischarten erneut viele Arten nachgewiesen. Besonders positiv ist, dass mehrere empfindliche Arten wie Barbe, Hasel und Nase die renaturierte Sulz sowohl als Fortpflanzungsgewässer als auch als Aufzuchtstätte annehmen. In anderen Gewässern sind Mängel an Lebensräumen für Jungfische und Kieslaichplätzen häufig ein ökologisches Problem – in der renaturierten Sulz gibt es diese Herausforderungen jedoch nicht mehr.
Auch die angrenzende Altmühl, die direkt an den renaturierten Mündungsbereich der Sulz anschließt, wurde seit 2004 vom LfU regelmäßig alle ein bis drei Jahre untersucht. Auch hier zeigten sich nach den Maßnahmen positive Entwicklungen im Fischbestand, die auf die Renaturierung der Sulz zurückzuführen sind. Die Bestände ehemals seltener Fischarten haben sich verbessert, und die Dichte einzelner Arten ist teilweise gestiegen. Der Altersaufbau vieler Fischarten hat sich ebenfalls verbessert, sodass zuvor überalterte Bestände jetzt wieder ausreichenden Nachwuchs und gesunde Alters- und Größenklassen aufweisen. In diesem Abschnitt der Altmühl wird nun der „gute ökologische Zustand“ erreicht, der gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie als Ziel für unsere Gewässer angestrebt wird.
*Bildunterschrift: Renaturierte Sulz kurz nach Umsetzung der Maßnahmen im Februar 2006; Foto: WWA Ingolstadt
Quelle – Pressemitteilung – Bayerisches Landesamt für Umwelt – Matthias Häußler
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