(ka) Dass ein Bischof vor Gericht als Zeuge aussagt, ist in Deutschland immer noch ziemlich selten. Wenn dann auch noch ein Angeklagter mit ihm befreundet ist, weckt das natürlich besonderes Interesse an seinen Aussagen. Genau so ist es jetzt bei Alt-Bischof Gregor Maria Hanke.
Im Prozess rund um den Finanzskandal der Diözese Eichstätt wurde Hanke am Dienstag als Zeuge verhört. Er erschien vor dem Landgericht München II, trug einen schwarzen Anzug mit Priesterkragen, ließ aber die bischöflichen Insignien weg. Drei Stunden lang beantwortete er Fragen.
Erst durch die Transparenzoffensive, die er selbst angestoßen hatte, erfuhr er nachträglich von den umstrittenen Darlehen aus dem Bistumsvermögen in Höhe von etwa 60 Millionen US-Dollar. Laut Hanke waren solche Millionenanlagen bereits damals laut den Anlagerichtlinien nicht zulässig.
Der Benediktiner gab zu, dass er keine Fachkenntnisse in Vermögensverwaltung besaß und sich daher zunächst auf die internen Experten und später auf externe Wirtschaftsprüfer sowie Anwälte verließ.
Letztere empfahlen ihm 2017, Strafanzeige zu stellen, woraufhin der Prozess heute beruht.
Während der mutmaßlichen Vorfälle war Hanke noch Bischof der katholischen Diözese. Der 71-Jährige hatte im vergangenen Pfingsten nach über 18 Jahren überraschend seinen Rücktritt verkündet und nennt sich seitdem Pater Gregor.
„Ich habe den Rahmen vorgegeben“, erklärt Hanke. Er war in Studienzeiten mit dem angeklagten ehemaligen stellvertretenden Finanzdirektor befreundet. Beispielsweise gehörte dazu die Vorgabe, nicht in Waffen- oder Chemiefirmen zu investieren. „Aber die Umsetzung habe ich dann den nachgeordneten Stellen überlassen.“ Die Finanzkammer habe in diesen Belangen „eine relativ große Freiheit“ gehabt. Zuständig für die Anlagen des Rücklagevermögens war die Finanzkammer, insbesondere der Finanzdirektor und dessen früherer Stellvertreter, der inzwischen angeklagt ist.
Als Wirtschaftsprüfer und eine Kanzlei bei der Prüfung der Finanzen „weiße Flecken“ entdeckten, hoffte er zunächst auf kommunikative Missverständnisse. Doch bald war klar, „dass das Geld wahrscheinlich nicht zurückkommt“. Diese Erkenntnis habe ihn schwer getroffen und zu einem „Aufruhr im Bistum“ geführt. Er selbst erfuhr erst später von den umstrittenen Investitionen, betonte Hanke. Insgesamt habe das Ganze ein „zu großmaschiges Netz“ gebildet, gab er zu. Dennoch fühlte er sich „sicher aufgehoben“ und „hatte Vertrauen“.
Quelle: Pressemitteilung / DOMRADIO.DE / Radio IN / Bild von Dieter Ludwig Scharnagl auf Pixabay
