(ka) Die Zahlen sind alarmierend: Die traditionellen Märkte für Altkleider in Afrika und Asien haben stark abgenommen, und gleichzeitig hat die Qualität der Kleidung in den letzten Jahren erheblich nachgelassen. Billigproduktion ist zur Norm geworden. Zudem gibt es einen unerwarteten Faktor: Die Automobilindustrie benötigt zunehmend weniger Dämmmaterial, da Elektroautos von Natur aus leise sind und weniger Isolierung benötigen als herkömmliche Fahrzeuge.

Diese gefährliche Kombination aus sinkenden Preisen, schlechterer Qualität und schrumpfenden Märkten hat dazu geführt, dass die klassische Altkleidersammlung wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist. Während andere aufgeben, hat sich das BRK Eichstätt frühzeitig mit dieser Problematik beschäftigt. Die Organisation führte bereits seit Jahren Gespräche mit dem Landkreis Eichstätt, da neue europäische Gesetze bevorstanden, die strenge Vorgaben für die Handhabung von Altkleidern einführten.

Die Lösung kam rechtzeitig: Das BRK fand einen zertifizierten Partner in Texaid, einem Schweizer Unternehmen, das die Sammlungen gemäß den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen fortführen kann und die ethischen Standards des BRK teilt. Nach einer Ausschreibung durch den Landkreis wurde das BRK Kreisverband Eichstätt beauftragt, die Altkleidersammlung im Landkreis zu übernehmen. Michael Gorum, der Kreisgeschäftsführer des BRK Eichstätt, betont: „Wir bedanken uns beim Landkreis für das Vertrauen.“

Für das BRK stellt dies jedoch nicht nur eine neue Aufgabe dar, sondern auch eine Chance. „Kleidung ist für uns kein Wegwerfartikel“, betont Gorum. Dieser einfache Satz hat große Bedeutung. Wer sich der Ressourcen, der Arbeit und der Energie, die in einem Kleidungsstück stecken, bewusst ist, versteht den Unterschied zwischen bloßem Konsum und Verantwortungsbewusstsein.

Das BRK zeigt, dass es einen Markt für Secondhand-Kleidung gibt: Mit dem Kleiderladen Henry’s in Eichstätt werden hochwertige Textilien zu fairen Preisen angeboten. Dort findet man Markenkleidung und Designerstücke, die geschätzt werden von Menschen, die Wert auf Qualität legen. Auch Texaid verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Das Unternehmen betreibt eigene Secondhand-Läden, in denen gut erhaltene Kleidung einen neuen Besitzer findet. Textilien, die noch einen Markt haben, werden in andere Länder verkauft, jedoch keine billig produzierten Massenwaren.

„Leider werden viele minderwertige Kleidungsstücke aus Asien in ärmere Länder verkauft“, kritisiert Gorum. Diese Ware hält oft nur wenige Waschgänge und landet schnell im Müll, was eine überflüssige Ressourcenverschwendung darstellt – etwas, das dem BRK ein Dorn im Auge ist. Eine neue Struktur soll die Qualität verbessern: Die Sammelcontainer an öffentlichen Plätzen werden abgebaut und in die Wertstoffhöfe des Landkreises verlegt. Dies ist ein strategischer Schritt, der mehrere Probleme lösen kann.

„Wir hoffen, dass künftig weniger Fremdstoffe in unseren Containern landen“, sagt Gorum. Bisher war es ein häufiges Problem, dass Elektroschrott, Papier und andere Abfälle in die Altkleidercontainer gelangen. Mit der neuen Struktur an den Wertstoffhöfen sollte sich dies merklich bessern, was sowohl der Umwelt als auch der Effizienz zugutekommt.

Ein Appell an die Bürger: Die neue Struktur funktioniert nur, wenn die Bürger des Landkreises Eichstätt mitziehen. Michael Gorum appelliert daher an alle: „Wir hoffen, dass die Bürger des Landkreises unsere Angebote weiterhin nutzen und ihre Kleidung nicht im Restmüll entsorgen.“ Oft ist es einfacher, die Kleidung wegzuwerfen, doch für Gorum und das BRK ist das nicht nur ökologisch bedenklich, sondern auch moralisch fragwürdig: „Das wäre eine unnötige Ressourcenverschwendung.“

Hoffnung statt Resignation: Wo andere in der Krise der globalen Textilindustrie resignieren, setzt das BRK Eichstätt auf Weitblick und Engagement. Durch die Partnerschaft mit Texaid, die Integration in die Wertstoffhöfe und die Fortführung von Henry’s wird ein tragfähiges Konzept verfolgt, das zeigt, dass verantwortungsvolles Handeln auch in schwierigen Zeiten möglich ist.

Michael Gorum fasst es zusammen: „Wir werden alles daran setzen, den Ansprüchen unserer Bürger und dem Umweltschutz gerecht zu werden.“ Die stille Hoffnung bleibt, dass damit noch viel bewahrt werden kann. Für das Rote Kreuz Eichstätt ist es nicht nur ein wirtschaftliches Konzept, sondern eine gelebte Verantwortung.

Quelle: Pressemitteilung – BRK Kreisnverband Eichstätt / Foto

 

WERBUNG