(ka) Der Auftritt des Audi-Vorstandschefs Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump sorgt laut Medienberichten für Probleme: Er hatte dort den Bau eines neuen Audi-Werks in den USA angekündigt.
Offizielle Richtlinien sollen besagen, dass in den drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit Parteien oder Politikern stattfinden dürften. Audi hat sich zudem zu Neutralität gegenüber Parteien und Interessengruppen bekannt. Demnach wäre der Auftritt mit den eigenen Richtlinien nicht vereinbar gewesen.
Kritik kam von der verkehrspolitischen Sprecherin der SPD, Cademartori. Sie sagte: „Während Arbeitnehmer hier um ihre Jobs bangen, verkündet Audi beträchtliche Investitionen bei Trump. Das wirkt, als würde Audi, und der Mutterkonzern VW, Trumps Handelskrieg Rückenwind geben und Arbeitsplätze in die USA ziehen.“
Im Werk soll jährlich etwa eine Viertelmillion SUVs vom Band laufen. Audi rechnet damit, dass durch das Investitionsprojekt rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Der Baubeginn ist fürs kommende Jahr vorgesehen, die Produktion soll zu Beginn der 2030er Jahre starten. Derzeit importiert Audi alle US-Fahrzeuge aus Europa oder Mexiko, was das Unternehmen durch Zölle belastet. Trump hatte Autohersteller wiederholt aufgefordert, in den USA zu produzieren. Die Zwischenwahlen in den USA finden Anfang November statt.
Döllner betonte, der Respekt vor dem Amt habe ihn veranlasst, die Einladung des Präsidenten anzunehmen. Es sei ein „sehr spezieller Moment“ gewesen, sagte er, und das Ganze sei ein „besonderes Setup“, in dem er sich bewegt habe, als er gemeinsam mit Trump auf der Bühne stand.
Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen und VW-Aufsichtsratsmitglied, meinte, die USA seien ein wichtiger Markt für Volkswagen. Strategisch sei es sinnvoll, das Geschäft dort auszubauen, sagte er. Ziel sei, dass mehr Produktion dort arbeits- und wertschöpfungsmäßig auch dem Standort Deutschland nütze, und nicht zu Lasten Deutschlands gehe.
Die IG Metall zeigte sich grundsätzlich positiv gegenüber den Werksplänen, verband dies aber mit einer Mahnung. Es sei richtig, den US-Markt besser zu erschließen, hieß es. Gleichzeitig müssten verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen Standorten klar festgelegt sein.
Volkswagen steckt mitten in einer Krise. Die Verkäufe von Elektroautos ziehen zwar an, die Gewinnmargen bleiben dünn. Hinzu kommen Belastungen durch US-Zölle und das schwächelnde Geschäft in China. VW plant zudem einen Personalabbau: Bis 2030 könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen gestrichen werden, der Großteil davon in Deutschland.
Quelle: Pressemitteilung / Deutschlandfunk / Foto von blue sky auf Unsplash
