(ka) Bei der dritten Betriebsversammlung des Jahres 2026 im Audi-Werk Ingolstadt am gestrigen Freitag (09.10.2026) standen die neuesten Konzernentscheidungen von VW und deren mögliche Auswirkungen auf Audi im Mittelpunkt. Der Betriebsrat machte klar: Weder Standorte geschlossen noch konkrete Personalabbau-Zahlen für Audi wurden beschlossen. Jetzt geht es darum, in den kommenden Verhandlungen tragfähige Perspektiven für Beschäftigung und Standorte zu schaffen.

Rund 7.000 Kolleginnen und Kollegen verfolgten die Versammlung in Halle B und an den angeschlossenen Außenstandorten. Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, führte durch die Sitzung. Angesichts der spürbaren Verunsicherung in der Belegschaft forderte er klare Antworten darauf, wo Audi künftig stehen soll, was tatsächlich auf das Unternehmen zukommt und wie Audi wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad kommen kann. Die Beschäftigten hätten Veränderungen mitgetragen, Belastungen akzeptiert und Verantwortung übernommen. Jetzt brauche es eine klare Vorwärtsrichtung vom Vorstand und eine verständliche Perspektive, wie Audi stärker werden könne. „Die Kolleginnen und Kollegen erwarten keine einfachen Antworten. Aber sie erwarten Klarheit, Orientierung, Führung – und eine stabile Perspektive.“

In ihrem Bericht ordnete die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Rita Beck die Ergebnisse der jüngsten VW-Sitzungen ein. Sie machte deutlich, dass weder Werksschließungen in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau noch eine konkrete Personalabbauzahl für Audi beschlossen wurden. Die Arbeitnehmerseite habe dem Konzernvorstand keinen Blankoscheck gegeben, sondern einen Rahmen für die bevorstehenden Verhandlungen geschaffen.

Die Verhandlungen würden bei Audi zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung stattfinden. Der Betriebsrat werde jede Forderung prüfen, Zahlen hinterfragen und eigene Alternativen einbringen. Notwendige Veränderungen lasse man nicht grundsätzlich blockieren. Zusätzliche Beiträge der Belegschaft würden jedoch nur dann kommen, wenn verlässliche Perspektiven für Beschäftigung, Produkte und Standorte vorhanden seien. „Die Zukunft von Audi wird verhandelt – nicht beschlossen. Beiträge ohne klare Perspektiven gibt es nicht“, betonte Rita Beck. Der Betriebsrat wolle die anstehenden Verhandlungen konstruktiv, aber mit der nötigen Klarheit und Entschlossenheit führen.

Audi-CEO Gernot Döllner betonte die Notwendigkeit tiefgreifender Veränderungen und machte deutlich, dass es angesichts der wirtschaftlichen Lage keine einfachen Versprechungen oder Garantien geben könne. Für die langfristige Perspektive der deutschen Standorte sei entscheidend, die eigene Wettbewerbsfähigkeit grundlegend zu verbessern. „Die Automobilindustrie befindet sich in einem fundamentalen Umbruch. Darauf müssen wir jetzt reagieren. Es liegt in der gemeinsamen Verantwortung aller Audi-Standorte, auch künftig profitabel zu wachsen, zu investieren und Beschäftigung zu sichern. Dafür müssen heute die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“

Bei Audi zeichnet sich zudem ab, dass weitere Stellen abgebaut werden könnten – der Konzern hat die Betriebsvereinbarung vom März 2025 gekündigt. Das sagte Vorstandschef Gernot Döllner am Rande der Versammlung in Neckarsulm. Laut Zukunftsplan von Volkswagen stehen bei Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati rund 10.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der neue A8 soll laut Döllner in Leipzig gebaut werden. Das Werk Neckarsulm ist zwar bis 2034 ausgelastet, doch bleibt offen, welche Modelle danach dort produziert werden. Es besteht die Sorge, dass auch Fahrzeuge anderer Konzernmarken in Audi-Werken rollen könnten.

*Bildunterschrift: Rita Beck (stellv. Betriebsratsvorsitzende), Jörg Schlagbauer (Betriebsratsvorsitzender), Gernot Döllner (Vorstandsvorsitzender), Karola Frank (stellv. Betriebsratsvorsitzende) und Xavier Ros (Arbeitsdirektor und Vorstand für Personal) auf der Audi Betriebsversammlung am 9. Oktober in Ingolstadt (von links). (Bild-Nr: A264779 · Copyright: AUDI AG)

Quelle: AUDI AG / Pressemitteilung – Ralf Mattes