(ka) Eine wachsende Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fällt wegen Depressionen, Burnouts und anderer psychischer Belastungen krank aus. Und wenn jemand ausfällt, dauert die Abwesenheit meist deutlich länger als bei einer Erkältung.
Depressionen und andere psychische Erkrankungen führen in bayerischen Betrieben zunehmend zu längeren Personalausfällen. Nach Daten der AOK Bayern, der größten Krankenkasse im Freistaat, lag der Durchschnitt pro 100 Mitgliedern innerhalb eines Jahrzehnts bei 248 Fehltagen durch psychische Erkrankungen und stieg auf 349 – ein Anstieg von knapp 41 Prozent. Berechnet wurde der «Fehlzeiten-Report» vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

Bei den Diagnosen reihen sich seelische Leiden mit durchschnittlich 12,5 Krankmeldungen pro 100 AOK-Mitgliedern nicht an die Spitze. An erster Stelle standen im letzten Jahr Erkältungen und andere Atemwegsinfekte mit 77,1 AU-Tagen je 100 Versicherten. AU bezeichnet im Gesundheitswesen die Arbeitsunfähigkeit bzw. Krankmeldung.

Doch wer wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig wird, fällt in der Regel deutlich länger aus: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer waren laut der Auswertung der Krankenkasse im Schnitt fast 28 Tage krank, während Atemwegserkrankungen im Schnitt 5,3 Tage ausmachen. Burnout-Diagnosen haben überdurchschnittlich zugenommen: Ein Anstieg von 83 Prozent bei den Ausfalltagen pro 100 AOK-Mitglieder, von 8,8 auf 16,1 Tage im vergangenen Jahr.

Die längsten Ausfallzeiten entfielen demnach auf depressive Episoden und wiederkehrende depressive Störungen, gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen. Letztere bedeuten, dass Betroffene schwer mit einschneidenden belastenden Erfahrungen wie Scheidung oder dem Verlust eines nahestehenden Menschen zurechtkommen.

Zahl der Kranktage insgesamt sinkt
Gleichwohl lagen die AOK-Versicherten im Jahr 2025 im Durchschnitt bei 21,1 Fehltagen pro Kopf etwas seltener krank als in den Vorjahren. In der ersten Hälfte dieses Jahres setzte sich dieser Trend mit durchschnittlich 20,8 AU-Tagen fort. Die Fehlzeiten der AOK übersteigen somit die jährlichen Durchschnittswerte, die von den Statistikämtern erhoben werden.

Der Anstieg der durchschnittlichen Fehlzeiten seit 2022 wird von der AOK Bayern-Vorstandsvorsitzenden Irmgard Stippler vor allem auf die Einführung der elektronischen Krankmeldung (eAU) zurückgeführt. Fachleute gehen davon aus, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer früher ausgestellte Gelbe Zettel aus den Arztpraxen nicht mehr an die Krankenkassen gemeldet hatten.

Quelle: Pressemitteilung / DieBayern.de News / Bild von Markus Kammermann auf Pixabay