(ka) Wo genau ist eine Hochwasserschutzmaßnahme geplant? Welche Aufgaben stehen noch aus und wer übernimmt als Nächstes den nächsten Schritt? Antworten darauf finden die Beteiligten künftig im SolidarHub. Fünf Studierende der Hochschule München haben die Software gemeinsam mit der ARGE Solidarischer Hochwasserschutz e. V. entwickelt. Der funktionsfähige Prototyp bündelt Projektphasen, Dokumente, Standorte, Aufgaben, Zuständigkeiten und Fristen – und soll die Zusammenarbeit der 28 Mitgliedskommunen und des ARGE-Kernteams über Verwaltungsgrenzen hinweg erleichtern.
SolidarHub ist eine gemeinsame digitale Arbeitsumgebung für Projekte rund um dezentrale Wasserrückhaltung und die Schwammregion. Die Anwendung läuft im Browser, ohne Installation. Nutzerinnen und Nutzer können Dokumente hochladen, Maßnahmen mit Geodaten auf einer Karte verorten sowie Aufgaben, Fristen, Erinnerungen und Benachrichtigungen verwalten. So sieht man schnell, was erledigt ist und wo noch Handlungsbedarf besteht.
„Mit 28 Mitgliedskommunen hilft uns SolidarHub, den Überblick über Projekte und deren aktuellen Stand zu behalten – und die Bedienung ist dabei auch recht intuitiv“, sagt Albert Gürtner, Erster Vorsitzender der ARGE Solidarischer Hochwasserschutz e. V.
Vom Handlungsleitfaden zur digitalen Projektstruktur
SolidarHub überführt den bestehenden Leitfaden der ARGE in einen einheitlichen digitalen Ablauf. Jedes Vorhaben läuft durch sieben Phasen: von der Flächensuche, über Machbarkeit und politische Abstimmung bis hin zu Planung, Umsetzung und Abschluss. Alle Beteiligten arbeiten mit demselben Projektstand und erhalten je nach Rolle Zugriff auf die relevanten Informationen.
Ein typischer Einsatzfall ist die Vorbereitung einer Maßnahme zum dezentralen Wasserrückhalt. Wird eine Fläche untersucht, wird das Vorhaben im SolidarHub angelegt. Dokumente werden zugeordnet, der Standort auf der Karte markiert und die nächsten Aufgaben samt Zuständigkeiten und Fristen festgelegt. Vor Besprechungen muss niemand mehr E-Mails, Dokumente oder persönliche Arbeitsstände zusammenklauben.
Der Überblick ist besonders wichtig, wenn mehrere Kommunen oder Fachstellen mitwirken. Eine Maßnahme im Oberlauf kann auch Orte flussabwärts betreffen. SolidarHub zeigt, wo Projekte liegen, wie weit sie fortgeschritten sind und bei wem noch offene Aufgaben liegen. Das erleichtert die Abstimmung und macht Entscheidungen auch für später Hinzukommende nachvollziehbar.
Auch das ARGE-Kernteam kann SolidarHub für die laufende Koordination nutzen. Erinnerungen helfen, Fristen im Blick zu behalten. Die Software bewertet keine Maßnahme und ersetzt weder fachliche Planung noch persönlichen Austausch. Sie schafft eine gemeinsame Informationsgrundlage für die Zusammenarbeit.
„Die Studierenden haben uns ein hilfreiches Projektmanagement-Werkzeug entwickelt, mit dem wir Aufgaben und Projekte im ARGE-Kernteam sowie gemeinsam mit den Gemeinden und Bürgermeistern effizient abstimmen können“, erklärt Darleen Scharfenberger, Projektleitung Schwammregion und Mitglied im Kernteam der ARGE.
Aus der Praxis heraus entwickelt
SolidarHub entstand im Co-Innovation Lab der Hochschule München im Sommersemester 2026. Zum studentischen Projektteam gehörten Louis Beer, Frowin Rominger, Efstathios Tsimenidis, Lorenz Heusler und Rafael Muselmann. Betreut wurden sie von Prof. Dr. Holger Günzel, Prof. Dr. Lars Brehm, Prof. Dr. Markus Thimmel, Prof. Dr. Johannes Ebke und Hans-Jürgen Haak. Auf Seiten der ARGE begleiteten Darleen Scharfenberger, Marcus Csiki und Dr. Alexander Poser das Projekt.
Zunächst bekommt das ARGE-Kernteam Zugriff auf die Anwendung. SolidarHub soll schrittweise in realen Vorhaben erprobt werden. Für den späteren Regelbetrieb ist vorgesehen, Bürgermeistern und Mitarbeitenden der Mitgliedskommunen Zugang zu geben und bei Bedarf weitere Fachstellen einzubinden.
„Die Studierenden haben sich schnell in die komplexen Abläufe des interkommunalen Hochwasserschutzes eingearbeitet und daraus eine konkrete, praxisnahe Lösung entwickelt. Dafür danken wir dem gesamten Projektteam und den betreuenden Dozenten sehr herzlich“, betont Albert Gürtner. Der erfolgreiche Abschluss markiert auch den Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit mit der Hochschule München.
*Bildunterschrift: Zufriedene Gesichter nach der Präsentation des SolidarHub im Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm: Vertreterinnen und Vertreter der ARGE, des Projektteams und der Hochschule München. Von links hinten nach rechts vorne: Bürgermeister Michael Franken, Bürgermeister Andreas Wiesner, Bürgermeister Klaus Angermeier, Landrat Albert Gürtner, Bürgermeister Jürgen Haindl, Prof. Dr. Johannes Ebke, Efstathios Tsimenidis, Frowin Rominger, Lorenz Heusler, Louis Beer, Hans-Jürgen Haak, Abgeordnete Marina Jakob und Darleen Scharfenberger. (Foto: Thomas Assenbrunner).
Quelle: Pressemitteilung – ARGE Solidarischer Hochwasserschutz
