
(ka) Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz (ARGE) hat in Dasing den weiteren Ausbau ihres KI-gestützten Echtzeit-Early-Warnsystems vorgestellt. Dabei übergab Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring einen weiteren Förderbescheid des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales in Höhe von 1.584.335 Euro. Die Förderung stammt aus einer Fraktionsinitiative der Landtagsabgeordneten Roland Weigert und Marina Jakob und wurde von FW und CSU unterstützt. Bereits im Januar war eine erste Förderung von 505.750 Euro genehmigt worden. Insgesamt fließen damit rund zwei Millionen Euro in den Aufbau eines digitalen Schutzsystems gegen die Folgen von Extremwetter.
Zu viel oder zu wenig Wasser – der Klimawandel macht beides zur ständigen Herausforderung für bayerische Kommunen. Trockenheit und niedrige Bodenfeuchte stehen aktuell im Mittelpunkt, doch Starkregen und Hochwasser können in Sekundenbruchteilen gefährlich werden. Smarte Lösungen, die beide Extreme beachten, sind deshalb unverzichtbar, um Menschen und Hab und Gut zu schützen.
Bei dem Besuch in Dasing hob Mehring die Bedeutung des interkommunalen Projekts hervor und zeigte sich stolz auf das landesweit einzigartige Bündnis. Die ARGE sei ein Vorbild für Bayern: Modernen Hochwasserschutz funktioniere interkommunal, vorausschauend, solidarisch und innovativ. Das Ministerium unterstützt die ARGE mit digitalen Lösungen wie intelligenter Sensorik, KI-gestützten Frühwarnsystemen und offenen Daten. KI ist kein Zukunftsland mehr, sondern hilft hier und jetzt. So funktioniert moderner Bevölkerungsschutz: gemeinsam gedacht und smart umgesetzt. Was die ARGE am Paar umsetzt, sei deutschlandweit ein Leuchtturmprojekt.
Andreas Wiesner, Bürgermeister von Dasing und stellvertretender ARGE-Vorsitzender, nannte den Förderbescheid einen besonderen Tag. Er dankte den Regierungsfraktionen, dem Landtag und Staatsminister Mehring für die Unterstützung. Das Frühwarnsystem werde Naturgefahren zwar nicht verhindern, aber rechtzeitig auf gefährliche Entwicklungen aufmerksam machen und wertvolle Zeit gewinnen. So steigt der Schutz für die Bevölkerung, und die Region handelt statt zu warten.
Im Zentrum des Projekts steht ein KI-gestütztes Frühwarn- und Prognosemodell, das Menschen im Einzugsgebiet von Paar und Ilm vor Hochwasser, Starkregen und Trockenheit warnt. Mehr als 150 Messstationen liefern in Echtzeit Niederschlag, Wasserstände und Bodenfeuchte, die automatisch online übertragen werden. So lässt sich nicht nur Regenmenge messen, sondern auch, wie aufnahmefähig Böden sind und wie schnell Wasser in Bäche und Flüsse gelangt. Die Daten werden mit Künstlicher Intelligenz und einem Digitalen Zwilling des Projektgebiets zusammengeführt, verständlich aufbereitet und visuell dargestellt. Aus der großen Datenmenge entsteht ein klares Lagebild, das Kommunen, Feuerwehren und Katastrophenschutzbehörden mit wichtigen Infos versorgt.
Durch das Zusammenspiel von mehr als 150 Online-Messstationen, KI-Prognosen und dem Digitalen Zwilling sollen Vorwarnzeiten von bis zu einer Stunde bei Starkregen und bis zu 24 Stunden bei Hochwasser möglich sein. Bodendaten helfen außerdem, Trockenheitsrisiken früh zu erkennen. Über 28 Kommunen hinweg entsteht so eine gemeinsame Datenbasis für den Umgang mit beiden Wasserextremen – zu viel und zu wenig Wasser. Das Projekt zählt zu den umfassendsten kommunal getragenen Frühwarnmodellen in Deutschland.
Durch die zusätzliche Förderung des Ministeriums lässt sich das Sensornetzwerk erweitern, das Prognosemodell und der Digitale Zwilling weiterentwickeln. So steigen Vorwarnzeiten, und Einsatzkräfte erhalten bei Krisen bessere Entscheidungsunterstützung. Die gewonnenen Daten sollen zudem gebietsübergreifend nutzbar gemacht und im Open Data Portal Bayern veröffentlicht werden. Für den Aufbau und Betrieb der Lösung wurde die Bietergemeinschaft Okeanos Smart Data Solutions, SEBA Hydrometrie und RIWA beauftragt, die sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hat.
Die ARGE wurde als Reaktion auf das Extremhochwasser im Juni 2024 gegründet und 2025 als Verein registriert. Heute versammelt sie 28 Kommunen aus vier Landkreisen und arbeitet über Bezirksgrenzen hinweg an Vorsorgemaßnahmen gegen Hochwasser, Starkregen und Trockenheit. Mit moderner Sensorik, einem KI-gestützten Echtzeit-System, digitaler Datenvernetzung und dezentralem Wasserrückhalt verfolgt sie einen solidarischen Ansatz, der die gesamten Einzugsgebiete von Quelle bis Mündung bezogen betrachtet. Ziel bleibt, Gefahren früher zu erkennen, Einsatzkräfte und Bevölkerung rechtzeitig zu warnen, Schäden zu begrenzen und die Klimaresilienz der Region nachhaltig zu stärken.
Quelle: Pressemitteilung / Die ARGE Solidarischer Hochwasserschutz / Bildquelle: Bayerisches Staatsministerium für Digitales

