(las) Berufsorientierung jenseits aller Geschlechterklischees – das ist die Idee, die hinter dem Girls’ und Boys’ Day steckt, der in diesem Jahr am 3. April stattfinden wird. Direkt im Betrieb sollen junge Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Traumberuf sind, dabei Gelegenheit bekommen, sich zu informieren, für einen Tag in den Berufsalltag hineinzuschnuppern und vor allem mögliche Arbeitgeber und künftige Kollegen kennenzulernen. Das soll helfen, Vorurteile abzubauen, Ängste zu nehmen und mit gängigen Klischees der Marke „das kann man als Junge / Mädchen nicht werden“ aufzuräumen. Seit vielen Jahren immer wieder und aus voller Überzeugung mit dabei ist die Gunvor Raffinerie Ingolstadt. Die Rückmeldungen der zahlreichen Teilnehmerinnen waren dabei immer mehr als positiv.
Rund 15 Prozent beträgt der Anteil der Mitarbeiterinnen in der Gunvor Raffinerie und das über alle Abteilungen und Arbeitsbereiche hinweg. Von der gerade ausgelernten Chemikantin über die Triebwagenfahrerin bei der Schwesterfirma Gunvor Rail bis hin zur Ingenieurin mit jahrelanger Erfahrung ist bei Gunvor alles vertreten. Das war freilich nicht immer so, weiß Susanne Zurell, die Mitte der 90er-Pionierarbeit in Sachen „Frauen in technischen Berufen“ in der damaligen Esso-Raffinerie leistete. Sie studierte Chemie-Ingenieurwesen und wurde 1995 als erste Ingenieurin bei Esso in Ingolstadt in einer Männerdomäne eingestellt. Der eine oder andere habe sie damals komisch angeschaut, erinnert sie sich, aber: „Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, keine Frage.“
Eine kleine Anekdote aus den Anfangstagen hat sie trotzdem parat: „Ich wurde damals von einem älteren Ingenieur betreut, und der hat gefragt, ob ich Fahrrad fahren kann.“ Nach kurzer Verwirrung fragte sie nach und erfuhr, „Vor mit gab es ein einziges Mal eine Ingenieurin, die im Rahmen eines Auslandseinsatzes in der Raffinerie gearbeitet hat. Sie kam aus Indien und konnte nicht Fahrrad fahren.“
Nach Susanne Zurell, die heute die Abteilung für Inspektion und Materialfragen in der Gunvor Raffinerie leitet, ging es übrigens relativ schnell: Immer mehr Frauen eroberten technische Berufe in der Gunvor Raffinerie Ingolstadt.
Eine von ihnen ist Lilly Wichate, die vor wenigen Jahren ihre Ausbildung als Chemikantin abgeschlossen hat und heute als Operatorin im Schichtbetrieb arbeitet. „Mir war schon früh klar, dass ich nicht der Typ für einen Bürojob war, und das Interesse an einem technischen Beruf war damals schon vorhanden. Nach verschiedenen Praktika wurde meine anfängliche Meinung nochmals bestätigt“, erzählt sie und schwärmt vom guten Arbeitsklima auf ihrer Schicht und in der Raffinerie selbst. Ihr Erfahrungen in der Männerdomäne Raffinerie: „Keine besonderen“, sagt sie lachend und fügt hinzu, „Wir sind alle einfach nur Menschen. Ich hab‘ mich nie benachteiligt gefühlt und es gefällt mir mehr als gut auf der Schicht. Es gab auch nie einen Tag, an dem ich meine Entscheidung bereut habe.“
Ebenfalls vor Kurzem ihre Ausbildung zur Chemikantin abgeschlossen haben Merle Wegner und Maria Schuderer. Vom Konzept Girls’ Day sind die beiden überzeugt: „Der Tag gibt Mädchen die Gelegenheit, sich zu informieren und zu sehen, dass man seinen Beruf danach aussuchen sollte, was einen interessiert und woran man Spaß hat und eben nicht nur danach, was dem Klischee der Rolle von Mann und Frau entspricht.“ Schwer wurde es ihnen, da sind sie sich einig, bei Gunvor nie gemacht. Im Gegenteil, schwierig, als Frau im technischen Beruf akzeptiert zu werden, sei es weniger im Umgang mit den Kollegen als mehr in der Gesellschaft. „Das ist etwas, das mich echt gewundert hat, als ich nach Bayern gekommen bin“, sagt Merle Wegner schmunzelnd. „Ich komme gebürtig aus Stade und da sind weibliche Chemikanten - so wie auch meine Tante - etwas völlig Normales. Das ist übrigens auch ein Aspekt des Girls’ Days: Er gibt Mädchen hier die Gelegenheit, das Ganze ein bisschen so kennenzulernen, wie ich es getan habe. Ohne Rollen-Stereotypen und einfach nur als einen richtig tollen Beruf, der unglaublich viel Spaß macht.“
Jungs melden sich direkt auf www.boysday.de und die Mädchen über www.girlsday.de im Radar an. Hierzu ist eine gültige Mailadresse erforderlich.
Inforeihe: Girls'Day und Boys'Day 2025
Quelle - Gunvor - Pressemitteilung / Girl´s und Boy´s Day / Foto
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